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Insgesamt stehen acht Springbrunnen auf dem Viktualienmarkt. Es sind zwei "einfache" Brunnen; sechs Springbrunnen erinnern an populäre Münchner Schauspieler.
Dieser Brunnen ist der Volksschauspielerin Ida Schumacher gewidmet.
Die 1894 in Arnstorf (Niederbayern) geborene Komödiantin Ida Schumacher ist besser unter ihrem Namen "Ratschkathl" bekannt. Sie kam mit zwei Jahren nach München. Im Alter von 13 Jahren trat sie in den Chor des Münchner Künstlertheaters ein. Mit 15 Jahren wurde sie von Ralph Benatzky für das Kabarett entdeckt. Nach zwei Jahren im Kabartett Benz ging sie zum Tegernseer Bauerntheater, wo sie achtzehn Jahre lang auftrat. Danach gründete ihr Mann in München ein eigenes Volkssängerensemble, das in den verschieden-sten Lokalen in Erscheinung trat. Im Krieg verlor Ida Schumacher ihren Mann, ihre Wohnung und ihren Arbeitsplatz und auch ihre Gesangsstimme. Erst in den Jahren 1950 bis 1956 machte sie eine beispiellose Spätkarriere als "Ratschkathl". Dies verdankte sie, wie jemand spöttelte, vor allem einer Halskrankheit.
In der Maske dieser originellen Figur verkörperte sie am Platzl besonders gerne Besucherinnen des Viktualienmarktes oder dessen Marktfrauen, die flinkzüngige "Oatandlerin" (Eierverk(auml;uferin) und die "Trambahnschienen-Ritzenreinigungsdame". Wenn sie einmal mit ihrer heiseren, verquetschten Stimme eine ihrer derben, wasserfallartigen Schimpfkanonaden über die Bühne fegen ließ, blieb im Zuschauerraum kein Auge trocken. Auch im Rundfunk war sie häufig zu hören. Am 6. April 1956 starb die Humoristin Ida Schumacher.
Erst 21 Jahre nach ihrem Tod, 1977, fand sie als Brunnenfigur, die von Marlene Neubauer-Woerner gestaltet und von Werner Braun gegossen worden war, unter den Standlfrauen des Viktualienmarktes ihren Ehrenplatz. Fortwährend sprudelt ihr zu Füßen seither aus dem aufgerissenen Schnatterschnabel einer Ente (oder Gans?) ein nie versiegender Wasserstrahl, als wäre es ein Wasserfall-wortschwall der Ratschkathl höchstpersönlich. Ida Schumacher ist beim "Ratsch im Treppenhaus" dargestellt. Mit der Linken umklammert sie, wie eine Siegerstandarte, ihren Schrubber, und in der Rechten hält sie den Putzkübel und es scheint, als warte sie darauf, sich beim Großreinemachen des Platzes beteiligen zu dürfen, um dabei gleich die brisantesten Neuigkeiten herumzutratschen. Dazwischen glaubt man fast den Schlüsselkbund, der am Schürzenband baumelt, klirren zu hören. Den anderen weiblichen Brunnenfiguren der Liesl Karlstadt und Elise Aulinger kehrt sie den Rücken, und man erinnert sich unwillkürlich an den Satz der    "Trambahnschienen-Ritzenreinigungsdame":
"Mia san uns drei Damen, soweit ma vo de anderen von Damen red´n ko..."
Enthüllt wurde der Brunnen am 23.9.1977 und wie es heißt, "war´s ein Sauwetter", als sehnte sich die Schumacher damals schon nach einem Eimer voll Wasser.