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70 Jahre lang wuchs Gras dort, wo eigentlich Wasser sprudeln sollte: Die historische Kaskadenanlage am Ostfriedhof aus dem Jahr 1900 fristete seit ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ein kümmerliches Dasein. Sie verfiel nach und nach. Doch nun erhielten die Kaskaden ihren Glanz zurück: Nach zweijähriger Restaurierung wurde die Anlage am 18. Mai 2017 wiedereröffnet.

Die Kaskaden wurden im Jahr 1900 nach Plänen des späteren Stadtbaudirektors Hans Grässel, dem München seine vier großen Friedhöfe verdankt, errichtet. Grässel überbrückte mit den Kaskaden den natürlichen Höhenunterschied in diesem Teil des Ostfriedhofs und schuf eine Anlage über mehrere Ebenen mit Fontänen, Balustraden, Wasserbecken, Treppen und Ruheplätzen.
Die Tradition der Kaskaden geht bis in die Antike zurück. Vor allem im Barock waren Kaskaden - wie etwa im Nymphenburger Schlosspark - prächtige Bestandteile fürstlicher Residenzen. Die Einbeziehung einer solchen Anlage in einen Friedhof ist einzigartig. Grässel erkannte zum einen den Erholungswert der von ihm geschaffenen Friedhöfe. Zum anderen aber setzte er ein Zeichen wachsenden bürgerlichen Selbstbewusstseins. Erstmals wurde das bis dahin Fürsten vorbehaltene Architekturelement Kaskade auf einem Friedhof für jedermann errichtet.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage dann zerstört – und war bis dato außer Betrieb.
Auf Beschluss des Stadtrates in 2015 wurde dann mit den Restaurierungsarbeiten begonnen. Rund 2,5 Millionen Euro hat die Stadt dafür ausgegeben. Viel Geld für einen Brunnen. Aber vielleicht doch nicht so viel, wenn man sich bewusst macht, dass es sich um ein womöglich weltweit einzigartiges Kulturdenkmal handelt, das nach schweren Bombentreffern im Zweiten Weltkrieg jetzt wieder hergestellt wurde.

Nach nun 70 Jahren fließt das Wasser wieder über die Kaskaden. Insbesondere in der Vormittagszeit entwickelt sich bei Sonnenschein und den Schatten der umgebenden Laubbäume eine besondere Atmosphäre in der ernsten Stätte eines Friedhofs.